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Lieferstopp

[22. August 2016]

In diesen Tagen stehen in manchen VW-Werken die Bänder still und tausende Beschäftigte werden in die Kurzarbeit geschickt. Der Grund ist nicht etwa eine mangelnde Nachfrage nach den Fahrzeugen, es geht auch nicht um einen Arbeitskampf zwischen den Tarifparteien. Nein, zwei Zulieferunternehmen (beide gehören zu derselben Unternehmensgruppe) haben Knall auf Fall die Lieferung eingestellt. So etwas hat es in dieser Form auch noch nicht gegeben.

Warum? Es gibt Streit im Zusammenhang mit einem Vertrag, den Volkswagen gekündigt hat. Unstimmigkeiten solcher Art sind im Wirtschaftsleben weiß Gott nichts Ungewöhnliches, das gibt es täglich in allen Branchen. In der Automobilindustrie ist das nicht anders, dort haben weder die Autohersteller noch ihre Zulieferer einen Cent zu verschenken und es wird mit harten Bandagen verhandelt. Das gibt allerdings nicht das Recht, Lieferpflichten mal eben einseitig außer Kraft zu setzen. Das Landgericht Braunschweig jedenfalls hat einen klaren Standpunkt bezogen und die Zulieferer zur Wiederaufnahme der Lieferungen verpflichtet, was bis jetzt ignoriert wird. Auch das geht gar nicht und so droht jetzt die Zwangsvollstreckung - vom Ordnungsgeld über Ordnungshaft bis hin zur Beschlagnahme.

Wie geht es weiter und wann? Hoffentlich sehr schnell, denn die Folgen (auch für andere Zulieferunternehmen) verschärfen sich jeden Tag mehr. Am besten wäre natürlich eine vernünftige Einigung der Beteiligten, aber auch Zwangsmaßnahmen sind nicht ausgeschlossen. Jedes Unternehmen kann übrigens auch vor dem Gericht seine Rechte geltend machen, wenn es sich unfair behandelt fühlt. Aber eines geht sicher nicht: Mal eben die Dinge selbst in die Hand nehmen und in einen Lieferstreik zu treten. Die Opfer eines solchen Vorgehens sind tausende Beschäftigte, deren Arbeitsplätze als Druckmittel in diesem Streit missbraucht werden. Deswegen ist es wichtig, dass am Ende eine klare Regelung steht, damit ein solches Beispiel keine Schule macht.

Dieser Vorgang zeigt auch die Fallstricke, die hinter manchen Schlagworten stehen. Wie oft ist Volkswagen dafür kritisiert worden, dass wichtige Teile der Produktion anstelle von Auslagerungen im eigenen Unternehmen verbleiben? Dafür gibt es gute Argumente, wie dieses Beispiel zeigt. Die arbeitsteilige Wirtschaft kann auf gute Gründe der Effizienz verweisen, die Kehrseite sind allerdings auch höhere Risiken, die gelegentlich unabsehbare Folgen haben können. Das ist ein Thema, das weit über die Automobilbranche hinausreicht, wenn man zum Beispiel an die IT-Sicherheit denkt.

Aber erst einmal geht es darum, die Bänder bei Volkswagen wieder zu starten. Hoffen wir, dass die nächsten Tage Fortschritte bringen werden. Und auch Euch wünsche ich eine gute Woche!