4. Januar 2010
Literaturtipps zu Beginn des Jahres
Herzlich willkommen im Jahr 2010! Ich hoffe, Sie sind gut hinein gekommen und brennen darauf, dass es jetzt richtig los geht mit dem Neuen Jahr. Bei mir ist es noch nicht ganz so weit, ich habe noch etwas Urlaub und den nutze ich vor allem für eines: Lesen. Bei herrlichem Winterwetter (an so viel Schnee in Hannover kann ich mich kaum erinnern) ist das eine schöne Form des Winterschlafs.
Und um die treue Besucherschaft dieser Seiten daran teil haben zu lassen, folgen jetzt einige Literatur-Tipps, sozusagen die Best-of-Weihnachtsferien:
- Robert Littell, Das Stalin-Epigramm, Arche-Verlag: Moskau 1934, ein jüdischer Dichter ist in Ungnade gefallen und schafft in seiner Verzweiflung ein Stalin-kritisches Gedicht. Zunächst scheint ein Wunder zu geschehen, denn Stalin höchstselbst findet an dem Gedicht gefallen. Aber dann kommt es doch anders ... . Die Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und ist von Littell (eigentlich ein Autor von Spionage-Thrillern) auf wirklich erschütternde Weise literarisch verarbeitet worden.
- Herta Müller, Atemschaukel, Hanser-Verlag: Offen gestanden kannte ich Herta Müller nicht bis zu der Nachricht von der Nobelpreis-Verleihung. Nach der Lektüre der "Atemschaukel" verstehe ich die Entscheidung. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes aus Siebenbürgen, der fünf Jahre in einem sowjetischen Arbeitslager durch stehen muss. Nicht gerade eine Gute-Laune-Lektüre, aber in jedem Fall ein Erlebnis. Herta Müller hat eine ganz eigene Sprache, sehr poetisch und prägnant und vor allem eindringlich. Sehr zu empfehlen!
- Andreas Eschbach, Ein König für Deutschland, Lübbe-Verlag: Eine deutlich leichtere Kost ist der aktuelle Bestseller von Eschbach. Es geht, kurz gesagt, um die Möglichkeiten, beim Einsatz von Wahlcomputern die Ergebnisse so zu manipulieren, dass z.B. die Monarchie wieder eingeführt wird. Das klingt nach einer ziemlich kruden Story, ist aber ausgesprochen spannend geschrieben und hat bei mir doch ein deutlich höheres Problembewußtsein gegenüber dieser Form von e-government zurück gelassen.
-Einen habe ich noch, obwohl es sich weiß Gott nicht um ein neues Buch handelt. Im Gegenteil, denn "Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch" von Hans Jacob Christoffel vom Grimmelshausen stammt schließlich aus dem 17. Jahrhundert und erzählt vom Leben im dreizigjährigen Krieg. Klar, ein Klassiker, aber furchtbar schwer zu lesen, dachte ich bis jetzt. Das hat sich in der neuen Übersetzung aus dem mittelalterlichen Deutschen in unsere moderne deutsche Sprache von Reinhard Kaiser (erschienen bei Eichborn) gründlich geändert. Herausgekommen ist ein wahres Lesevergnügen - sehr zu empfehlen!
Langweilig ist mir also in den Weihnachtsferien ganz und gar nicht. Und Ihnen wünsche ich einen ebenso guten Start ins Neue Jahr!
