9. August 2010

Nicht mehr von dieser Welt

Ich melde mich hiermit zurück von sage und schreibe zwei Wochen Urlaub und zwar mit zwei Erfahrungen: Dass Hannover erfreulicherweise immer noch steht (und die Scorpions auch weiter Eishockey spielen ) und dass sich unerfreulicherweise in nur zehn Arbeitstagen Akten- und Posteingangsmappen auftürmen können, als ob man monatelang weg gewesen wäre.

Früher gehörte zu den Ritualen des Schullebens der Aufsatz "Mein schönstes Ferienerlebnis". Nun, meines geht so: Ein Bewohner der norddeutschen Tiefebene stiefelt eine Woche lang auf dem Goldsteig (toller Wanderweg, sehr zu empfehlen!) durch den Bayrischen Wald. Schwer schnaufend erreicht er den Brotjaklriegl (etwa Brocken-Höhe) nebst Aussichtsturm und Gaststube. Der Wirt ist ein freundlicher Mensch und fragt nach woher und wohin. Antwort: Nach Zenting in den Kamm-Bräu. Die Augen des Turmwirts leuchten auf: "Ihr Glücklichen!" Da gebe es die beste Küche weit und breit, erst neulich habe er dort einen Zander in Kräuterkruste gegessen und davor die Pfifferling-Rahm-Suppe, äh Schwammerlsuppe - "nicht mehr von dieser Welt!".

Nach dieser Auskunft fiel die weitere Wanderung irgendwie leichter und im Kamm-Bräu zeigte sich, der Turm-Wirt hatte nicht übertrieben. Höchstens untertrieben, denn der knackige Salat am Anfang und ein sich sanft dem Gaumen anschmiegender Haselnuss-Brand am Ende des Abendessens dürfen nicht unterschlagen werden.

Das war´s aber noch nicht, denn glücklicherweise sah die Tourenplanung zwei Tage Aufenthalt in Zenting vor. Also, gings am zweiten Abend weiter mit einem Salat von vollreifen Tomaten und leicht angebratenen Zucchini nebst einem lauwarmen Ziegenkäse, den das Attribut mild nicht ausreichend beschreibt. Als Hauptgang dann Spanferkel - an dieser Stelle stößt meine Formulierungsgabe an Grenzen: Superzartes Fleisch und knackigst-krosse Haut, eben nicht mehr von ... na, Sie wissen schon.

Das alles übrigens aus lokalen Produkten, zu sehr zivilen Preisen und verbunden mit einer sehr schönen Unterkunft. Der Wirtin Sigrid Kamm kann man also nur gratulieren und ihren Gästen auch. Lange Rede, kurzer Ratschlag: Wanderer oder Autofahrer, kommst Du in den Bayrischen Wald und nach Zenting, geh´ in den Kamm-Bräu und mach Dich auf schöne Erlebnisse gefasst (www.kamm-braeu.de)!