31. Januar 2011
(Kinder- und Jugend-) Bücherei in der Südstadt - unverändert erfolgreich
Neben vielen anderen Themen der letzten Woche konnte unter anderem ein lange strittiges Problem durch eine Eröffnung für erledigt erklärt werden, nämlich diejenige der neuen Kinder- und Jugendbücherei in der hannoverschen Südstadt. Buchstäblich jahrzehntelang ist darüber diskutiert worden, ob die klamme Stadtkasse eigentlich dort eine voll ausgestattete Stadtteilbücherei zulässt, wenn doch die zentrale Stadtbücherei nur wenige hundert Meter entfernt ist. Als Stadtkämmerer und Oberbürgermeister habe ich mich dabei immer auf die Seite der Stadtkasse geschlagen. Das Ergebnis jetzt ist ein guter Kompromiss: Die Erwachsenen gehen in die Stadtbücherei, für die Kinder gibt's ein sehr attraktives Stadtteilangebot und fast alle sind zufrieden.
Schön und gut, aber lohnt dieses Thema für das Wort zur Woche an dieser Stelle? Eigentlich nicht, wäre da nicht der Vorsitzende der Südstädter Jusos am nächsten Tag mit einem verdächtig breiten Grinsen auf mich zugekommen. Der junge Mann ist Historiker und sortiert gerade das Archiv der Südstädter SPD. Mit einem "Guck mal" gab er mir eine Kopie des "ortsgesprächs", einem Mitteilungsblättchen des Ortsvereins Südstadt-West aus dem Jahr 1984. In Großbuchstaben springt einem dort die Anklage ins Gesicht "SÜDSTADTBÜCHEREI: GRAVIERENDE AUSWIRKUNGEN DER ROTSTIFTPOLITIK" - von Stephan Weil, Juso-AG Südstadt-West.
Knallhart wird dort die unverantwortliche Sparpolitik der Stadt Hannover angeprangert, die nun auch ein Paradebeispiel der Kulturpolitik erfasst habe und zu einer reduzierten Öffnungszeit der Stadtteilbücherei zwinge. Hart geht der Autor mit der verantwortlichen Politik ins Gericht:
"... Die Stadt ist offenbar dabei, ein Herzstück ihrer Kulturpolitik kaputtzusparen. Gleichzeitig wird darüber geklagt, daß z.B. Kinder nur noch vor dem Bildschirm sitzen. Gerade die sozialdemokratischen Kulturpolitiker sind aufgefordert, nach 30-jährigem Aufbau nun nicht dem Niedergang der Stadtbüchereien tatenlos zuzusehen!"
Nun ja, ein Vierteljahrhundert später setzt es diese Kritik - eigentlich wortwörtlich! - immer noch bei entsprechenden Gelegenheiten, nur dass ich sie nicht mehr schreibe, sondern deren Gegenstand bin. Was lehrt diese Geschichte also?
- Moral I: Der Niedergang hat nicht stattgefunden, die Stadtteilbüchereien haben sich verändert, sind aber unverändert erfolgreich, allen Konsolidierungsprogrammen zum Trotz. Es wird eben doch nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
- Moral II: Alle aktiven Jusos und sonstigen Nachwuchspolitiker seien gewarnt - "wer schreibt, der bleibt" (alte Doppelkopf-Regel). Ihr wisst nicht, was aus euch noch wird!
- Moral III: "Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewußtsein" (Karl Marx).
