Start7. Februar 2011

7. Februar 2011

Gastarbeiter in Hannover

Hannover hat im letzten Jahrhundert manche Wanderungsbewegungen erlebt. Einige davon waren unfreiwillige Wanderungen, etwa die Tausenden Zwangsarbeiter, die während des 2. Weltkrieges wie Sklaven behandelt wurden, oder die Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten nach dem Krieg. Die wohl folgenschwerste Migration begann aber vor fünfzig Jahren und eine Ausstellung im Historischen Museum erinnert jetzt an diese Anfänge.

Die Rede ist von den damals so genannten Gastarbeitern, die als Arbeitskräfte vor allem in Italien, Spanien, Griechenland und der Türkei angeworben wurden. Auf beiden Seiten bestand, wie wir heute wissen, ein grundlegendes Missverständnis. Sowohl die Wirtschaft, die händeringend Arbeitskräfte suchte, als auch die Gastarbeiter dachten, es würde sich um ein Intermezzo handeln, nach einer mehr oder weniger kurzen Zeit würden die Arbeiter wieder gehen. In vielen Fällen sind sie aber geblieben, ihre Kinder, Enkelkinder und teilweise sogar Urenkel sind waschechte Hannoveranerinnen und Hannoveraner.

Dass sie geblieben sind, war alles andere als selbstverständlich. Die Arbeits-, Wohn- und Lebensbedingungen, mit denen die "Gäste" empfangen wurden, waren alles andere als gastfreundlich. Davon berichtet die Ausstellung, der Interviews mit siebzig Menschen zugrunde liegen, die auch überwiegend selbst für die Exponate gesorgt haben.

Um so mehr kann Hannover dankbar sein, dass unsere Stadt für viele, viele Gastarbeiter und ihre Familien zur Heimat geworden ist. Heute ist Hannover eine weltoffene Stadt mit vielen unterschiedlichen Einflüssen, das ist ein wesentlicher Grund für ihre Zukunftsfähigkeit. Man muß nur einmal einen Blick auf die hannoverschen Speisekarten werfen: Gyros, Pizza, Paella und Döner findet man inzwischen sicher öfter als Calenberger Pfannenschlag.

Fast 125.000 Menschen leben in Hannover, deren Eltern oder die selbst aus anderen Ländern an die Leine gekommen sind. Bei Einbürgerungszeremonien erlebe ich - als gebürtiger Hamburger - es immer wieder, dass auf der Einbürgerungsurkunde von 30- oder 40-jährigen Menschen als Geburtsort "Hannover" verzeichnet ist. Wer hat hier eigentlich einen Migrationshintergrund, die neuen Deutschen oder ich?

Alles in allem also eine lohnenswerte zeitgeschichtliche Ausstellung, die erstaunlich viel mit der Gegenwart zu tun hat.


 

 
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