14. März 2011
Es gibt Bilder, die einem die Sprache verschlagen
Der 11. September in New York gehörte dazu, aber auch die Bilder von dem Erdbeben und dem Tsunami in Japan am vergangenen Freitag. Die moderne Nachrichtentechnik macht's möglich, dass man Augenzeuge von Katastrophen wird, die weit von Deutschland entfernt geschehen. Es wirkt wie ein Horrorfilm und ist Wirklichkeit. Wie sich die Menschen in dem betroffenen Gebiet fühlen, welche Trauer und welche Angst sie haben, vermittelt sich damit aber nicht.
Hannover ist Japan vor allem durch unsere Partnerstadt Hiroshima verbunden. Hiroshima liegt im Süden, etwa 1.000 km von dem Epizentrum entfernt. Das Erdbeben hat dort, wie unsere Freunde berichtet haben, keine unmittelbaren Schäden angerichtet, allerdings ist der überregionale Verkehr schwer gestört. Die Auswirkungen auf die nicht direkt getroffenen Landesteile und die japanische Gesellschaft insgesamt sind sicher katastrophal und heute noch gar nicht abzusehen.
Was dieses Unglück für mich und sicher auch für viele andere Menschen über Trauer hinaus zornig macht, ist der Umstand, dass es um mehr als die Auswirkungen der Natur geht. Atomkraftwerke in Erdbebengebieten zu betreiben, gleicht russischem Roulette. Darauf haben seit langem viele, viele Experten hingewiesen und - ehrlich gesagt - widerspricht eine solche Enegiepolitik auch schlichtweg dem gesunden Menschenverstand. Das Ausmaß des Unglücks in den japanischen Atomkraftwerken ist für mich nicht zu überblicken, aber die Nachrichten vom Wochenende lassen das Schlimmste befürchten.
Der menschengemachte Teil der Katastrophe wird sicher auch noch Konsequenzen in der deutschen Politik haben. Vor wenigen Wochen erst ist in Berlin die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke von der Bundesregierung durchgepaukt worden gegen heftigen Widerstand. Nach den Geschehnissen wird die Änderung des Atomgesetzes wohl nicht das letzte Wort geblieben sein. Im Moment müssen die Trauer und die Anteilnahme mit den Menschen in Japan im Vordergrund stehen. Aber danach wird es in Deutschland eine heftige Diskussion geben, die ich für dringend notwendig halte.
