18. April 2011

In Hannover wird das beste Deutsch dieser Republik gesprochen. Falsch!

In Hannover wird das reinste Hochdeutsch von allen deutschen Landen gesprochen, das weiß ja jedes Kind. Wann dieses Gerücht auf gekommen ist, wäre wirklich eine spannende Forschungsfrage. Das echte Hannöversch ist jedenfalls alles andere als rein und auch nicht wirklich hochdeutsch. Ganz im Gegenteil!

Einige Beispiele gefällig? Nun, fangen wir an mit den drei hannoverschen Adelsgeschlechtern:
(1.) Da blaba man von stille ! (Halt den Mund!)
(2.) Da blaba man von wech ! (Halt´ dich davon fern!)
(3.) Da lasse man von ab! (Hör´ auf damit!)

Man sieht, das echte Hannöversch ist ein dunkel gefärbter Dialekt, aus "ei" wird "a" und aus einem "a" wird ein dunkles "o":
(4.) Inne Konols-troße s-teht n Bononenwogen. (In der Kanalstraße steht ein Bananenwagen.)

Bei diesem Beispiel taucht dann auch das s-t auf, dass Auswärtige am ehesten mit einem hannoverschen Idiom verbinden:
(5.) übern s-pitzen S-tein s-tolpern.

Dieses s-t ist aber gar nicht so sehr typisch für Hannover, es ist eher Ausdruck einer etwas vornehmeren Ausdrucksweise. Typisch ist dagegen die Verdunkelung jedes hellen Vokals:
(6.) ömmer um ölf (immer um elf).

Und schließlich ist auch der hannoversche Genitiv prägend, wie er zum Beispiel vor einigen Jahren in einer Wählerinitiative für Herbert Schmalstieg sehr schön zum Ausdruck gekommen ist:
(7.) Herbert sane Freunde.

Leider, leider stirbt diese schöne Sprache deutlich erkennbar aus und inzwischen werden die Hannoveraner wirklich ihrem hochdeutschen Image gerecht. Um so wichtiger ist es, das eigentliche Hannöversch zu sichern - vielleicht wird ja noch einmal etwas daraus. Dieser schönen Aufgabe hat sich - in Form eines virtuellen Spracharchivs - www.wir-sind-Hannoveraner.de verschrieben. Jochen Krause, Martin Jürgensmann (beide auch als Comedy-Paar Siggi und Raner bekannt) und Christian Bredlow haben da wirklich eine gute Idee gehabt und suchen jetzt Mitstreiter. Es geht darum, möglichst authentische Sprachproben zusammen zu bringen. Hören Sie mal rein und wenn es Ihnen genauso gut gefällt wie mir, können Sie vielleicht auch einige Beispiele beisteuern. Hohe Geburtstage von Großeltern eignen sich zum Beispiel prima!