Start16. Mai 2011

16. Mai 2011

Hannover stellt die Weichen für moderne Verkehrssysteme

 

In der vergangenen Woche gab es in Hannover zwei Meldungen mit einem ganz unterschiedlichen Inhalt, aber einem gemeinsamen Kern.

 

Zum einen hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg nun zum aller-, allerletzten Mal entschieden, dass die hannoversche Umweltzone rechtmäßig ist und damit den definitiven Schlussstrich unter eine Diskussion gezogen, die mit großem medialen Aufwand in den vergangenen beiden Jahren geführt worden ist. Es bleibt also bei der grünen Plakette, Luftreinhaltung hat Vorrang vor der Restnutzung alter Autos. Dass der ADAC von einem "politischen Urteil" gesprochen hat, spricht für sich. In der Verwaltungspraxis gibt es übrigens schon seit langem keine Schwierigkeiten mehr.

Nicht mit der Vergangenheit, sondern mit der Zukunft befasst sich die zweite Meldung. VW wird nämlich in Hannover erstmals ein groß angelegtes Projekt zum Teil-Auto durchführen. Anfangs werden 200 Golf und Beatle zur Verfügung stehen, um stunden- oder tageweise gefahren zu werden. Zugesagt ist ein sehr benutzerfreundliches System, das vor allem für Menschen in dichtbebauten, innenstadtnahen Quartieren interessant sein könnte. Dort gibt es häufig einen erheblichen Parkdruck, der die ansässigen Autofahrer verständlicherweise nervt. Als die betreffenden Stadtteile gebaut wurden (List, Südstadt, Linden, Nordstadt, ...), gab es aber nun einmal noch keine oder nur sehr wenige Autos, so dass Parkraum nicht beliebig nach gebaut werden kann. Unter diesen Umständen wird das neue Angebot vor allem vielleicht für Menschen interessant sein, die gar nicht einmal so oft und so lange ein Auto brauchen. Deswegen bin ich gespannt, wie dieser Großtest abschneiden wird. Ganz neu ist das System in Hannover übrigens nicht, der Verein Oköstadt bietet diesen Service seit einigen Jahren in kleinerem Maßstab an.

Damit kommt in Hannover ein weiterer Puzzlestein für ein modernes Verkehrssystem hinzu. Die Gretchenfrage "Wie hältst du´s mit dem Auto" wird sich immer öfter im Sinne eines "mal so, mal so" beantworten lassen. Der Großstadtverkehr der Zukunft wird sich vor allem durch eine große Flexibilität auszeichnen. Am Montag fährt man Auto, am Dienstag benutzt man den ÖPNV, am Mittwoch ist wieder das Auto an der Reihe, am Donnerstag das Fahrrad ... . Es kommt also darauf an, für alle Verkehrsmittel attraktive Bedingungen vor zu halten, und da ist Hannover in einer sehr guten Ausgangslage.

Wenn Sie das Thema interessiert, sind Sie übrigens am nächsten Sonntag in der hannoverschen Innenstadt richtig. Wie seit einigen Jahren lässt sie sich wieder "autofrei erobern" und es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich über die Zukunft des Stadtverkehrs zu informieren. Das Ganze macht viel Spaß und lockt deswegen immer viele tausend Menschen in die City.

 


 

 
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