Die richtige Antwort auf den Terror

 

Mein Tiefpunkt der Woche? Darüber muss ich nicht lange nachdenken: Das waren drei Stunden am Dienstagabend. Soeben war das Fußballländerspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden wegen einer Terrorwarnung abgesagt worden, wir saßen im Büro von Boris Pistorius im Niedersächsischen Innenministerium und warteten, ob alles ruhig bleiben würde. Eine beklemmende Atmosphäre.

Zum Glück ist  in Hannover niemand zu Schaden gekommen, aber mittelbar hat eben doch an diesem Abend  der Terror Einzug in die norddeutsche Tiefebene gehalten. Auch in den darauffolgenden Tagen waren noch viele Menschen sichtlich beeindruckt und besorgt.

Die Spielabsage ist alles andere als leichtfertig erfolgt, es lagen konkrete Hinweise auf konkrete Gefahren vor. Unter diesem Gesichtspunkt war der Abend unter anderem ein Erfolg für die Sicherheitsbehörden, die erkennbar intensiv zusammenarbeiten. Ebenso richtig wie die Spielabsage war übrigens nach meiner Überzeugung auch die ursprüngliche Absicht, das Spiel durchzuführen.

Über den Dienstagabend hinaus bleibt die Frage, wie wir mit dem Terror umgehen. Dass Terrorismus eine allgemeine Bedrohung für uns ist, wissen wir seit langem und ist spätestens seit dem 11. September 2001 Teil unseres Lebens. Dass im Zusammenhang mit der Ausbreitung des IS dieses Risiko auch in Europa noch größer geworden ist, haben die furchtbaren Attentate in Paris und die Fahndungsaktionen der vergangenen Woche gezeigt.

Unter diesen Umständen ist es sicher richtig, wachsam zu sein. Das gilt für die Sicherheitsbehörden, ist aber auch eine Aufgabe für die Bürger. Damit allein ist es aber nicht getan. Es geht auch darum, ob wir uns vom Terrorismus so beeindrucken lassen, dass wir unser Verhalten ändern.  Große, gemeinsame Veranstaltungen sind Teil unserer freien und offenen Gesellschaft, ganz egal ob es sich um Sport, Kultur, Politik oder eben einfach um Feiern handelt. Davon wegen eines allgemeinen Risikos Abstand zu nehmen, würde unsere Art zu  leben und den Terroristen einen unverhofften Erfolg verschaffen. Das sollten wir ihnen nicht gönnen.

Mir ist in diesen Tagen wieder die eindrucksvolle Haltung eingefallen, mit der im Sommer 2011 Jens Stoltenberg ( damals Ministerpräsident von Norwegen ) auf die grauenvollen Anschläge des Terroristen Anders Breivik reagiert hat, der damals übrigens aus islamfeindlichen Motiven viele Menschen umgebracht hat. Stoltenberg sagte: "Unsere Antwort lautet: Mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit."

Das ist heute ebenso wie damals in Norwegen die richtige Antwort.

 

 


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