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Im Reich der Mitte

[17. November 2014]

Wo kann ein niedersächsischer Baustoff-Unternehmer berichten, er habe einen Lieferauftrag für 55 Hochhäuser zu je 33 Stockwerken erhalten? Wo werden jedes Jahr 40.000 Ingenieure ausgebildet? Aber auch: Wo gibt es 300 Millionen Wanderarbeiter, die mühsam versuchen, ihre Familien zu Hause  zu versorgen? Die Rede ist natürlich von China – einem Land, das unsere Maßstäbe in vielerlei Hinsicht sprengt. In der vergangenen Woche bin ich dort mit einer großen Gruppe aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik aus Niedersachsen gewesen und habe jede Menge dazu gelernt.

Die erste Station war Shanghai, die unbestrittene Wirtschaftsmetropole des ganzen  Landes. Es ging zum Beispiel darum, ob die Container-Riesen der neuen Generation von dort aus künftig den Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven ansteuern werden. Dann wird es bekanntlich auf der Elbe eng werden – ein Problem, das man in dieser alten Hafenstadt gut kennt, denn auch der Jangtsekiang wurde zu klein für die großen Schiffe und man hat deswegen 80 Kilometer entfernt einen neuen Tiefwasserhafen gebaut. Vor diesem Hintergrund wurden es sehr gute Gespräche und ich bin mit einem guten Gefühl weiter gereist nach Hefei.

Hefei ist die Hauptstadt der Provinz Anhui, mit der Niedersachsen vor 30 Jahren eine Partnerschaft begonnen hat. Damals galt Anhui noch als etwas zurückgeblieben und Hefei hatte nur einige hunderttausend Einwohner. Heute sind es etwa 7,5 Millionen Menschen – alleine an diesem Beispiel wird deutlich, mit was für einer Dynamik sich China entwickelt hat. Von Entwicklungshilfe kann dementsprechend heute überhaupt keine Rede mehr sein, es ist vielmehr eine alte und betont herzliche Zusammenarbeit von gleichrangigen Partnern. Und vielleicht wird ja einmal etwas aus einer gemeinsamen Wanderung durch die wunderschönen Gelben Berge, die sich der dortige Parteisekretär und ich vorgenommen haben.

Die dritte Station war dann ganz und gar der Politik gewidmet, schließlich ist Peking  (oder Bejing) das politische Zentrum des Zentralstaats. Besonders spannend war dort für mich ein Gespräch mit einem Mitglieder der Disziplinar-Kommission der KP. Der Kampf gegen Korruption ist innenpolitisch derzeit das wichtigste Thema, offenbar hat sich da viel politischer Sprengstoff angesammelt. Die Disziplinar-Kommission steuert landesweit einen harten Kurs gegen Machtmissbrauch in der Erkenntnis, das ansonsten das Primat der Partei ernsthaft gefährdet werden könnte. Es geht also um Rechtsstaatlichkeit, allerdings vor einem ganz anderen Hintergrund als unserem.

Drei Stationen in fünf Tagen, ein prallvolles Programm und jede Menge neue Eindrücke - bei der Rückkehr war ich geschafft. Und was bleibt? Vor allem die Erkenntnis, dass China nicht einfach mit unseren Maßstäben verstanden werden kann, sondern man sich intensiv mit Mentalität, Kultur und Denken eines Landes beschäftigen muß, dessen Bedeutung für Deutschland sicher noch sehr viel größer werden wird. Und das nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht.

Und jetzt freue ich mich auf eine ganz und gar niedersächsische Woche. Eine gute Woche auch für Euch!

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