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Schlag´ nach bei Shakespeare

[27. Juni 2016]

Das war ein "Schwarzer Freitag" für Europa. Die Entscheidung der Briten für den Brexit wird uns noch lange, lange beschäftigen. Nach ein paar Tagen sortieren sich aber auch bei einem solchen Thema wieder die Gedanken. Dabei hilft zum Beispiel ein Brite - William Shakespeare, in dessen 400. Todesjahr seine Landsleute sich gegen Europa entschieden haben.

"Die Zeit ist aus den Fugen" (Hamlet)
Ein Europa, das bei allen nationalen Unterschieden zusammenhält, war viele Generationen lang ein Traum. Frieden, persönliche und politische Freiheit, ein relativer Wohlstand im Vergleich zu vielen anderen Teilen der Welt - Europa kann alles in allem und bei allen Schwierigkeiten auf glückliche Jahrzehnte zurückblicken. Gleichzeitig ist die Welt zusammengewachsen und die Globalisierung ist noch lange nicht zu Ende. Wer glaubt im Ernst, dabei alleine erfolgreicher sein zu können als mit Partnern? Die Europa-Gegner spielen mit dem Feuer.

"Ist dies schon Tollheit, so hat es doch Methode" (Hamlet)
Der Brexit ist der bisher größte Erfolg einer rechts-populistischen Bewegung, die durch ganz Europa schwappt und in Deutschland durch die AfD repräsentiert wird. Überall werden Ängste geschürt und die Gesellschaft gespalten. Mit Vernunft hat das nicht viel zu tun - wo wäre zum Beispiel wohl Deutschland heute ohne Europa? Wir hätten viel weniger Wirtschaftskraft, viel mehr Arbeitslosigkeit und mehr soziale Probleme, lautet die Antwort. Und diese Antwort werden wir künftig lauter und härter geben müssen als bisher.

"Trauern zeugt von vieler Liebe, doch zu viel trauern zeugt von wenig Witz"(Romeo und Julia)
Die Briten haben sich entschieden und das müssen wir akzeptieren, ob wir es gut finden oder nicht. Drücken wir ihnen die Daumen, dass Großbritannien eine gute Zukunft hat - sie werden es brauchen. Und kümmern wir uns um Europa.

"Ein tiefer Fall führt oft zu höherem Glück" (Cymbeline)
Für die EU war der Freitag ein Einschnitt, keine Frage. Aber vielleicht werden wir in zehn Jahren feststellen können, dass es auch ein Weckruf gewesen ist. Die EU braucht jetzt einen neuen Anlauf und auch ein neues Einvernehmen. Der Eindruck von chronischer Zerstrittenheit ist Gift für Europa. Vor diesem Hintergrund hat Frank-Walter Steinmeier mit seinen Kollegen aus den EU-Gründungsstaaten am Tag nach dem Brexit einen guten Aufschlag gemacht.

"Du kannst von dem, was Du nicht fühlst, nicht reden" (Romeo und Julia)
Es geht nicht nur um Vernunft, es geht auch um Gefühle. Europa ist eine Aufgabe, die Leidenschaft verdient hat. Daran kann sich jeder und jede beteiligen - überlassen wir das Feld nicht den Nationalisten!

"Es sollt ein Freund eines Freundes Schwächen tragen" (Julius Cäsar)
Und noch etwas: Deutschland wird seine Europa-Politik der vergangenen Jahre überprüfen müssen. Eine Sonderrolle des stärksten Partners ist schlecht für die Europäische Gemeinschaft insgesamt und hat für viel Unmut gesorgt. Das darf sich nicht fortsetzen, wenn wir es gut mit Europa meinen.

Ich wünsche Euch eine gute Woche - und einen habe ich noch: "Der Rest ist Schweigen" (Hamlet).