Das Ringen um Gorleben wird weiter gehen – das nächste Kapitel einer einstweilen unendlichen Geschichte

Es gibt etwas Neues in Sachen Gorleben. Mal wieder, möchte man sagen, denn seit geschlagenen 35 Jahre tobt der Streit um ein Endlager für radioaktiven Abfall im Wendland. Ich erinnere mich zum Beispiel noch ganz gut an die riesige Gorleben-Demo in Hannover 1979, als 100.000 Menschen gegen die politische Festlegung auf diesen Standort auf die Straße gingen.

Eigentlich hat sich seitdem nichts geändert, weder die geologischen Zweifel an der Eignung des Salzstocks in Gorleben noch der politische Widerstand, der sich in regelmäßigen Abständen zum Beispiel aus Anlass der Castor-Transporte ausdrückt.

Natürlich ist die Suche nach einem sicheren Endlager notwendig. Nachdem diese Gesellschaft den Geist aus der Flasche gelassen und jahrzehntelang Atom-Müll produziert hat, darf man dessen Verbleib nicht einfach den nächsten Generationen auf’s Auge drücken. Damit ist zugleich eine ungeheure Verantwortung verbunden. Es geht nicht nur heute und zu unseren Lebzeiten um Sicherheit, sondern – auf der Basis unseres jetzigen Wissens – jahrhundertelang. Das ist eine Fragestellung, die eigentlich unsere Vorstellungskraft übersteigt.

Um so weniger sind Kompromisse bei der Sicherheit erlaubt. Zweifel an der Eignung von Gorleben bestanden von Anfang an. Viele Geologen empfehlen anstelle von Salzstöcken Ton- oder Granitformationen als Barrieren etwa zum Grundwasser. Und konkret sind die Zweifel bei den Erkundungsarbeiten in Gorleben auch nicht kleiner geworden, etwa bezogen auf die Dichte gegenüber Grundwasserströmen und Erdgasvorkommen. Die Asse lässt grüßen – in Niedersachsen ist man in dieser Hinsicht sehr sensibel geworden.

Jetzt endlich scheint die Fixierung auf Gorleben ein Ende zu nehmen, vor allem nachdem der baden-württembergische Ministerpräsident Kretschmann eine ergebnisoffene Endlagersuche auch bei anderen Standorten gefordert hat. Darüber scheint es jetzt nach dieser unendlich langen Diskussion einen Konsens zu geben. Die Bundesregierung bereitet ein Endlagersuchgesetz vor mit einer weißen Landkarte, wie es heißt. Ganz weiß ist diese Karte allerdings nicht, Gorleben soll weiter erkundet werden. Schließlich sei die Nichteignung nicht erwiesen, sagt auch die Niedersächsische Landesregierung. Hallo? Es geht nicht um den Beweis der Nichteignung, es geht um den Beweis der Eignung! Und der ist in 35 Jahren gerade nicht erbracht worden.

Deswegen besteht leider gar kein Grund zur Entspannung. Das Ringen um Gorleben wird weiter gehen, es ist gewissermaßen das nächste Kapitel einer einstweilen unendlichen Geschichte.